OK Kid
Sensation
Four Music/Sony
Indie-Pop mit Haltung: Auf seinem dritten Album holt das Trio aus Köln zum Rundumschlag gegen Kommerz, Aufmerksamkeitsgeilheit und Wutbürgerei aus.
Im vorletzten Stück auf SENSATION, es heißt „Warten auf den Starken Mann“, geschieht etwas Erstaunliches.
Wo Frontmann Jonas Schubert bis dahin primär auf textliche Abstraktion, subtile Ironie und cleveren Wortwitz setzt, und dabei mal augenzwinkernd die Unverlässlichkeit deutscher Mainstream-Hits im Alltagsgebrauch zu süffigem Synth-Pop anprangert („Lügenhits“), mal zynisch Zwiesprache mit einer Planierraupe über die Vorzüge des rollenden Investoren-Rubels hält, oder im Titelstück ausufernde Social-Media-Aufmerksamkeitsgeilheit zu breitwandigem Überwältigungs-Geboller festnagelt, lässt er die Abstraktion nun ganz beiseite und schlüpft in die gestörte Wahrnehmung deutscher Wutbürger.
„Gib mir bitte ein Gefühl. Gib mir einfach irgendeins, nur nicht das Gefühl, ein Verlierer zu sein“, sprechsingt er da im Refrain. Wer die Haltlosigkeit, die Überfremdungs-Paranoia und den diffusen Hass dieser Leute etwas besser verstehen möchte, sollte sich mal dieses ebenso bitter empathische wie kluge Stück popmusikalischer Verdichtungskunst anhören.
SENSATION von OK Kid hier im Apple-Music-Stream hören:
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