„Extreme auf beiden Seiten“: Frei.Wilds Philipp Burger über Chemnitz
Schade eigentlich, dass Frei.Wild nicht auch dem Soli-Konzert am Montag in Chemnitz spielen werden. Dann würde die Band ein größeres Zeichen setzen als mit diesem Video voller Relativierung und Medienschelte.

Während Acts wie Kraftklub, K.I.Z. Marteria und Die Toten Hosen am kommenden Montag in Chemnitz aktiv werden und als Reaktion auf den als Mahnwache für ein Mordopfer getarnten aggressiven Mob ein Soli-Konzert gegen Rechts spielen, meldet sich Philipp Burger von Frei.Wild, deren Fans seit jeher eine Schnittmenge mit der rechten Szene haben, in einem ausführlichen Video.
Nachdem er den Demonstranten, die am Sonntagnachmittag und -abend in Chemnitz den Hitlergruß zeigten, sagte, sie sollen sich schämen, widmet sich Burger in gefühliger Schwarz-Weiß-Optik anderen Zielen. Und zwar Medien, Politikern und anderen Künstlern, die sich jetzt empören und mit ihrer Verurteilung „einer ganzen Himmelsrichtung“ und eben auch eines ganzen Bundeslandes nur Schaden anrichteten.
Philipp Burger, in Sachen Hitlergruß selbst kein Unbekannter, hatte bereits am 27. August ein Facebook-Posting zum Thema Chemnitz abgesetzt. Ein Auszug: „Ich bete dafür, dass die hassgesteuerten Geister der Extremen auf beiden Seiten verstehen, dass Gewalt zu nichts als Leid, Schmerz, Angst und Zerstörung führt.“
https://www.facebook.com/Frei.Wild/posts/10156735088454595?__xts__[0]=68.ARA_gjMPota52qMWJ97uxZCim64hQUuPGZ-XlfrspKVbQq9VpT8jaWSdjhjTHySwIFgF30rLSKaRKXwWoxptFhw4RpCbBOThiFagdU8fglxVRlFjDY2B8tHOrcIvA2RD0FmMrkY&__tn__=-R
Burger macht (eventuell ganz bewusst) den Fehler und spricht von „Extremen auf beiden Seiten“. Angesichts der eindeutigen Bilder aus Sachsen eine eher unangemessene und heuchlerische Relativierung, der zuletzt auch die BILD-Zeitung („Linke Chaoten“) folgte. Generell ist diese Generalisierung „auf beiden Seiten“ eine klassische Taktik der AfD und deren Anhängern. Im Video vom Dienstagabend ruft Burger dann zu Differenzierung seitens der Politik und Medien auf, die ihm selbst nicht gelingen wollte.
https://www.facebook.com/Frei.Wild/videos/713372358997858/
Burger verweist darauf, dass Chemnitz immer fester Bestandteil des Tour-Kalenders seiner Band ist. Schade eigentlich, dass Frei.Wild nicht auch beim Soli-Konzert am Montag auftreten werden. Damit könnte die Band gemeinsam mit den Musiker-Kollegen tatsächlich ein Zeichen setzen.